Teil 2: Nürnberg bis Halbendorf (9.-15.Tag)


Tag 9: Durch den Wald

Nürnberg - Bayreuth

92km/1000Hm

Fränkische Alb
Fränkische Alb

Der Weg ging zuerst flott und zügig der Pegniz entlang. Als ich bei einem Rotlicht warten musste, fragte plötzlich hinter mir jemand:"Wohin des Weges?" Es war ein Fernradfahrer aus der Nähe von Stuttgart. Etwa halb so alt wie ich und wohl doppelt so schnell wie ich. Er will auch bis Tallin und dann via Helsinki mit der Fähre zurück nach Deutschland. Wir fuhren etwa 15-20 Kilometer zusammen,  unter anderem durch das schöne Städtchen Lauf. Als es dann durch die Fränkische Alb ging, musste ich eine Pause einlegen und er fuhr weiter. Vorher war mir das Tempo zu schnell und ihm wohl zu langsam. Es ging wunderschön auf gut unterhaltenen Forststrassen kilometerweit durch den Wald. Eigentlich wollte ich nur bis Pegniz fahren, da es aber erst 15.30 war und Pegniz nicht sehemswert war fuhr ich noch bis Bayreuth. Angesichts der späten Stunde, in der ich dort ankam, verzichtete ich auf den Besuch der Oper😁 .


Tag 10: Zu früh gefreut

Bayreuth - Selb

65km / 1080Hm

Das Mittagessen am Strassenrand
Das Mittagessen am Strassenrand

Zuerst ging es heute den roten Main entlang und dann über einen Hügel nach Goldkronach, einem hübschen kleinen Städtchen.  Danach gings den weissen Main, einem alten Bahntrasse?, entlang. Ein wunderschönes, wildes Tal im Fichtelgebirge. Auf diesen ca. 10km habe ich niemanden getroffen,  ein kleiner Vorgeschmack auf Finnland?

Das Fichtelgebirge stellte sich danach doch noch als Gebirge heraus. Sehr steile Passagen, die man bergauf schieben und bergab bremsen musste. Zum Glück habe ich noch Ersatzbremsbeläge dabei 😄

Bei Tag 3 habe ich schon geschrieben,  dass ich das Dach der Tour erreicht hätte, aber da habe ich mich zu früh gefreut,  heute waren es 940 müM, also rund 150 m höher. 

Ich kam auch durch Bischofsgrün, einem Ski- und Luftkurort auf 700 müM 🤔.

Am Abend habe ich in Selb ein Zimmer genommen .


Tag 11: Wo kaufen die Deutschen ein?

Selb - Eibenstock

68km / 1040Hm

Kirche in Schöneck
Kirche in Schöneck

Von Selb ging es nach As (das s hat eigentlich noch so eine Schlangelinie) in Tschechien. Was für uns Schweizer Konstanz oder Weil am Rhein, das scheint für die Deutschen dieser Region As zu sein. Es hat jede Menge Einkaufszentren und alle sind auch Deutsch angeschrieben.

Für Fahrradfahrer hat man aber wenig übrig. Der Weg führte auf stark befahrenen Strassen und die Autos überholten,  dass sie einem fast streiften. Als endlich wieder ein Fahrradweg vorhanden war,  stellte ich fest, dass ich schon wieder in Deutschland war. Weiter ging es über Bad Elster und Schöneck nach Eibenstock. Alles Orte, die auf 700 - 800 müM liegen  und sich als Höhenkurorte und Skigebiete anpreisen. Ich denke sie werden mit dem Klimawandel auch einige Probleme haben. Zwischen diesen Orten führte der Radweg teils wunderschön, teils extrem steil durch den Wald.


Tag 12: So machts besonders Spass

Eibenstock - Flöha

76km / 460Hm

Chemnitz
Chemnitz

Von Eibenstock gings während einigen Kilometern sehr steil hinunter an die Mulde. Jeder Fluss in Deutschland hat seinen Radweg, so auch die Mulde. Der Weg führt einem alten Bahntrasse entlang. Immer leicht bergab. So macht Radfahren besonders Spass. Während ca. 15km konnte ich ohne grosse Anstrengung 25 km/h fahren. Auf der Strecke war sogar noch ein Tunnel zu durchfahren und ein Bahnhof war noch angeschrieben: Der Ort hiess Ursprung. 

Nach Aue gab es wieder einige Steigungen. In Hartenstein habe ich das Denkmal von Paul Fleming gesehen,  der hier geboren ist. Die Deutschlehrer unter euch wissen wer er war. Danach habe ich noch einen kleinen Abstecher nach Chemnitz gemacht. Die Stadt ist aber definitiv keine Reise wert. 

Gefahren bin ich noch nach Flöha. Ich bin dort der einzige Gast auf dem dortigen Campingplatz.


Tag 13: Dresden Zum 4. Mal

Flöha - Dresden

71km / 820 Hm

Freiberg
Freiberg

Die Nacht auf dem Campingplatz kam mir fast wie wildcampen vor. Niemand weit und breit. Am Morgen ging es dann Richtung Dresden. Wieder waren einige sehr steile Passagen zu bewältigen. Dabei kam ich auch durch den Ort Frankenstein.  Gelohnt hat sich aber der Ort Oederon und der kleine Umweg nach Freiberg. Vor allem Freiberg ist gut erhalten, hat eine schöne Altstadt und ist wirklich ein Besuch wert.

In Dresden bin ich bereits zum vierten Mal. Das erste Mal war ich 1984 zu DDR-Zeiten mit einer Studentengruppe hier. Später waren Susi und ich in der Stadt, kurz nach den grossen Überschwemmungen.  Dann 2017 war ich mit Johann hier, als wir von Magdeburg nach Prag radelten. 


Tag 14: Riesige Kornfelder

Dresden - Halbendorf

108 Km/624Hm

Kornfelder
Kornfelder

Es war etwas mühsam aus Dresden rauszufahren. Alle paar Meter ein Rotlicht und ein riesiger Verkehr. 

Danach gab es nicht mehr viele kulturell sehenswerte Städte. Die Landschaft aber war fantastisch. Viele Kornfelder, soweit das Auge reicht. Aber es hat auch viele Wälder und kleine Hügel.  Da die Steigungen moderat waren, kam ich gut voran. Heute habe ich auch die 1000km-Marke geknackt. 

Eine schöne Stadt ist Kamenz, die Geburtsstadt von Lessing. 

Viele Dörfer sind zweisprachig angeschrieben,  zuerst dachte ich auf Deutsch und Polnisch,  da ich ja bald in Polen bin. Aber hier gibt es eine andere Sprache - sorbisch. ca. 60000 sprechen diese Sprache in der Lausitz. Am Abend habe ich im Restaurant gehört wie sie tönt.  Es ist eine slawische Sprache.

Ich habe mich für die Nacht auf einem Campingplatz einquartiert, der an einem See liegt. Morgen lege ich einen Ruhetag ein und werde mein Rad pflegen und vielleicht eine Runde im See schwimmen und natürlich meiner Frau zum Geburtstag gratulieren. 


Tag 15: Ruhetag

Badesee auf dem Camping
Badesee auf dem Camping

Heute habe ich meinen Ruhetag genossen, das Velo geputzt und die Kette geölt,  eingekauft usw...

Das Wetter ist bedeutend kühler geworden, so dass an Baden nicht zu denken war. Für morgen ist gar Regen angesagt. Ich hoffe, ich kann das Zelt noch trocken einpacken. 

Morgen geht es dann nach Polen.

Das Velofahren in Deutschland ist wirklich top,  viele gut ausgebaute Velowege und eine gute Infrastruktur. Allerdings hier im Osten sind viele Gasthöfe geschlossen. 

Die Deutschen haben die Tendenz Strassen, an denen gearbeitet wird, einfach zu sperren, als Fahrradfahrer weiss man dann nie, ob man trotzdem durchkommt. Bis auf einmal hat es immer geklappt und ich hatte sicher ein Dutzend solcher Sperrungen. Einmal waren sicherlich 10 Kilometer gesperrt und es war keine Baustelle und überhaupt kein Grund für eine Sperrung ersichtlich.